Stolpersteine

Stolpersteine:
Über den Gräuel stolpern

Erinnert an… Opfer des Holocausts

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Eckdaten

Ort:Zürich / weltweit
Art:Ereignisdenkmal
Einweihung:2020
Grösse:9,6 x 9,6 x 10 cm
Material:Messing

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Allzu rasch vergessen wir unsere gemeinsame Geschichte im Alltag oder verdrängen sie. Umso mehr, wenn nichts in unserem Umfeld daran erinnert. Seit 1992 arbeitet der Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt «Stolpersteine» gegen dieses Vergessen an. Er lässt in Handarbeit hergestellte Messingplatten in der Grösse von Pflastersteinen in Trottoirs und Fussgängerzonen verlegen, an ehemaligen Lebensorten von Holocaustopfern. Gegen 80 000 Stolpersteine sind es mittlerweile weltweit, die jeweils den Namen eines Holocaust-Opfers tragen. Sie verleihen den unzähligen Opfern eine Identität und machen das Grauen greifbarer.

Die Schweiz und der Holocaust

Die Rolle der Schweiz in den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs ist zu grossen Teilen nie auf gesamtgesellschaftlicher Ebene aufgearbeitet worden. Genauso unbekannt sind die zahlreichen Schweizer Opfer des Holocausts: über 400 Schweizer*innen wurden in Konzentrationslager inhaftiert. Dazu kommen gut 300 Menschen, die in der Schweiz wohnhaft waren, jedoch keinen Schweizer Pass besassen. Viele von ihnen wurden entmenschlicht, entwürdigt und schlussendlich ermordet. Dementsprechend das Ziel des Schweizer Stolpersteine-Vereins: nicht nur den Opfern zu gedenken, sondern auch die Aufmerksamkeit auf die unrühmliche Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg zu lenken.

Jüdinnen, Sinti und Roma, Homosexuelle, Linke

In der Stadt Zürich wurden bislang sieben Stolpersteine verlegt, weitere befinden sich in Kreuzlingen und Tägerwilen, noch mehr sind geplant. Die im November in Zürich verlegten Stolpersteinen gedenken unter anderem Lea Berr, die aus einer jüdischen Zürcher Familie stammte, aber ihre Schweizer Staatsbürgerschaft durch die Heirat mit einem Franzosen verlor. Demzufolge setzte sich die Schweiz auch nicht für sie ein, als sie von der Gestapo verhaftet wurde. Sie und ihr zweijähriger Sohn Alain starben in Auschwitz. Ein weiterer Stolperstein beleuchtet das Schicksal von Josef Traxl, einem in Zürich geborenen Österreicher, der wegen seiner Homosexualität verfolgt und mehrmals des Landes verwiesen wurde. Schlussendlich wurde er im KZ Buchenwald ermordet. Ein anderer Stein erinnert an Alfred Mülli, einen jungen Schweizer, der 1938 kommunistische Schriften nach Wien schmuggelte, woraufhin er verhaftet wurde. Drei Jahre später wurde er nach Dachau überstellt, wo er 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. Auch für ihn setzten sich die Schweizer Behörden nicht ein.

Sich vor den Opfern verbeugen, oder sie mit Füssen treten?

Obschon Demnigs Projekt seit fast 30 Jahren fortbesteht, ist es nicht ohne Kontroversen. So bemängeln einige, dass Demnig mit der Aktion vor allem auf Geld aus sei, andere, dass die Positionierung der Gedenktafeln im Boden dafür sorgen würde, dass die Opfer der Nationalsozialisten abermals mit den Füssen getreten würden. Demnig selbst hält dagegen, es sei ganz im Gegenteil so, dass diejenigen, die sich bücken, um die Inschriften zu lesen, sich vor den Opfern verbeugen würden. Die Verlegung der Stolpersteine in Zürich ist bislang ohne grössere Kontroversen verlaufen, wenn sich auch in den Kommentarspalten einiger Tageszeitungen Schweizer Bürger*innen irritiert über dieses «Gutmenschentum» äussern: Wieso müssen wir in der Schweiz den Opfern der Nazis gedenken, das geht uns doch nichts an? Und weshalb sollen wir überhaupt an die Vergangenheit erinnert werden, ist es nicht Zeit, nach vorne zu blicken?

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würden das Denkmal so lassen.
13%
würden das Denkmal verändern.
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Autorin Noemi Daugaard
Noemi Daugaard
Wissenschaftliche Mitarbeiterin SAGW
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