Denkmal-Debatte

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Intro: Die Sehnsucht nach Vereindeutigung oder warum wir 2021 über Denkmäler sprechen

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Markus Zürcher, Generalsekretär SAGW, 17. Dezember 2020

In autokratischen Staaten dienen sie dem Personenkult und Heroismus, in sich formierenden Staaten versinnbildlichen sie die Entstehungsgeschichte. In den meisten Gesellschaften galten Denkmäler aber bis vor Kurzem als aus der Zeit gefallen und waren teilweise nur mehr für das Standortmarketing und den Tourismus von gewisser Bedeutung. Warum also sprechen wir plötzlich wieder über steinerne, gusseiserne, bronzene Monumente? Warum gehen Bilder von gestürzten, bemalten und verhüllten Statuen durch die Medien? 

Denkmäler wollen konkrete Botschaften vermitteln

Denkmäler stehen einem Kunstverständnis entgegen, das seit dem zweiten Weltkrieg dominiert: Die Interpretation liegt im Auge des Betrachters. In diesem Verständnis wird der Wert eines Objektes nicht an dessen Gestaltung und Aussage gemessen, sondern an der Authentizität des Künstlers, der Schafferin. Hand in Hand mit dem architektonischen Brutalismus beförderte dieses Verständnis die Abstraktion und Inhaltslosigkeit von Kunstwerken. So zeichnen sich Skulpturen in den Hallen von Banken, Versicherungen und im öffentlichen Raum durch die Reduktion von Farben, Formen und Gegenständlichkeit aus. Sie sind so befreit von Bedeutung, dass es in glatte, vorzüglich weisse Flächen und in einen abstrakten Purismus mündet.1 Denkmäler hingegen wollen mittels Allegorien, Symbolen und Personen sowie Standorten vielfältige, konkrete Botschaften vermitteln: Niederlagen, Erfolge, Errungenschaften, Ereignisse, Würdigungen, aber auch Werte, Einstellungen, Mentalitäten und Gefühlslagen.

Warum jetzt, warum hier? Denkmal-Boom zwischen 1870 und 1914

Subsumieren könnte man Denkmäler unter «Erinnerungskultur». Die Funktion des Erinnerns und gegen das Vergessen greift jedoch zu kurz. In einer Schriftkultur wie der unsrigen benötigen weder der Tell noch Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi oder selbst Dorothea von Flüe Denkmäler, um nicht vergessen zu werden. Zahlreiche Denkmäler wurden zudem erst Jahrzehnte und teilweise Jahrhunderte später für Personen und Ereignisse errichtet. Sie stellten Präsenz und Repräsentation im Alltag her, im damaligen «Hier und Jetzt». Die Bedeutung von Denkmälern erschliesst sich deshalb nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der jeweiligen Gegenwart, in der sie erstellt wurden.

Hochkonjunktur hatten die Denkmäler zwischen 1870 und 1914. Die These liegt nahe, dass sie als Alternative zu den Prunkbauten des früheren patrizisch-aristokratischen Regimes neu den bürgerlichen Nationalstaat und die Errungenschaften seiner Gesellschaft repräsentieren sollten. In der Zwischenkriegszeit (1918-1939) wiederum standen Denkmäler im Zeichen der äusseren Bedrohung und der geistigen Landesverteidigung. Sie waren thematisch auf die Wehrhaftigkeit und die alte Eidgenossenschaft reduziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg flachte der Denkmal-Boom ab.

Soziale Bewegungen kommunizieren mit und durch Denkmäler

Wie bei allen materiellen oder in anderer Form tradierten Wissensformen ragt die Vergangenheit in die Gegenwart. In Stein gemeisselt oder in Bronze gegossen, transportieren Denkmäler Vergangenes scheinbar statisch. Sie können, obschon materiell präsent, über Jahrzehnte und länger in der Bedeutungslosigkeit verloren sein – bis ihr Sinn, ihr Gehalt und ihre Botschaft in kürzester Frist positiv oder negativ neu aufgeladen werden.

Wird die Politik ausserhalb der Institutionen auf die Strasse getragen, kann man beobachten, dass regelmässig mit Denkmälern kommuniziert wird: Vor und nach Demonstrationen etwa werden Denkmäler als Aufhänger und Blickpunkte für Parolen und Botschaften genutzt. Die statischen Figuren und Allegorien werden durch soziale Bewegungen, in letzter Zeit die Frauen- und Jugend- und schliesslich die Black-Lives-Matter-Bewegung, inhaltlich aufgeladen und dynamisiert: Die Frauenbewegung bemalten Personendenkmäler mit violetter Farbe und verpassten ihnen Büstenhalter und Mini-Jupes. Die Jugendbewegung deckte die mehr oder weniger farblosen Denkmäler gegen das «Packeis» und das «Grau» nicht zu knapp vielfarbig ein. Die Black-Lives-Matter-Bewegung in den USA stürzte schliesslich Denkmäler für Sezession-Generäle vom Sockel. Bekanntlich schwappte die Bewegung auch nach Europa über.

Weshalb diese Denkmäler gerade jetzt nicht mehr akzeptiert werden, ist nicht zufällig: Seit den erfolgreichen Bürgerbewegungen in den 1960er-Jahren konnten die Lebensverhältnisse der Afro-AmerikanerInnen Jahr für Jahr verbessert werden. Alle Statistiken zeigen, dass sich seit der Übernahme des Präsidiums von Donald Trump die Lebensbedingungen dieser Bevölkerungsgruppe zum ersten Mal wieder Jahr für Jahr verschlechterten: Die gegenwärtigen, aktuellen Entwicklungen und Verhältnisse haben die Denkmäler aufgeladen und dynamisiert.

Es geht nicht um die Vergangenheit, sondern um die Gegenwart und die Zukunft!

Und deshalb sollten wir uns mit Denkmälern befassen. Es geht nicht um das Denkmal als sich, sondern um unser Verständnis von uns selbst im Hier und Jetzt. Selbstverständlich kann man dem Denkmal je nach Situation sehr unterschiedlich begegnen: Man kann es mit Gleichgültigkeit als Teil des Orts- und Stadtbilds wahrnehmen; als mehr oder weniger gelungenes Kunst- und Kulturobjekt; als vergegenwärtige Vergangenheit zum Gedenken an Ereignisse, Personen und Errungenschaften, die reflektiert und kontextualisiert werden; oder als Provokation.

Die Meinungen zu Denkmälern öffnen ein weites Spektrum: Die einen wollen sie entfernen, weil sie überkommene, obsolete Geschichtsbilder transportieren, Ungerechtigkeiten, Ausbeutern, Unterdrückern und Kriegsverbrecher würdigen. Andere fordern eine vertiefte Reflexion und wieder andere erkennen in der gegenwärtigen Debatte einen geschichtsvergessenen Hypermoralismus, monieren schliesslich eine von der «Political Correctness» angetriebene «Cancel Culture», die alles ausschalten will, was nicht dem Zeitgeist entspricht. Auf jeden Fall hat die Debatte viel mit einer Sehnsucht nach Vereindeutigung und Vereinfachung zu tun, die einhergeht mit einer geringen Ambivalenz-Toleranz.

1Bauer, Thomas (2018): Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt, Stuttgart, S. 41 – S. 49.

Expert*innen-Texte

Hier werden Texte von Historikern, Medienwissenschaftlerinnen, Kulturwissenschaftlerinnen und weiteren Geistes- und Sozialwissenschaftlern aufgeschaltet.

Ironie der Geschichte: Weshalb Pro-Contra-Debatten über Denkmäler oft irreführend sind

Jörg Scheller , Kunstwissenschaftler ZhdK, 15. März 2021

In den Diskussionen über Sinn und Zweck bestimmter Denkmäler fällt eines auf: Die Auseinandersetzungen drehen sich tatsächlich um bestimmte Denkmäler. Und zwar nur um sie. Die jeweiligen Objekte werden als isolierte Zeichen betrachtet, die auf etwas ganz bestimmtes verweisen; meist auf eine Figur der Geschichte, die von den Einen abgelehnt, von den Anderen gutgeheissen, von wieder Anderen mit Gleichgültigkeit übergangen wird. Man debattiert: Soll Denkmal W weg? Kann Denkmal X ohne Kommentar so stehenbleiben? Ist Denkmal Y tatsächlich unproblematisch? Und warum fehlt Denkmal Z bislang? Dabei spielt der räumliche Zusammenhang, in dem die jeweiligen Objekte stehen, kaum eine Rolle.

Wenn es in den jüngeren Geistes- und Sozialwissenschaften einen Konsens gibt, dann der, dass spezifische Gegenstände stets in ihren konkreten räumlichen und zeitlichen Kontexten analysiert werden sollen. Räsonierte man im 19. Jahrhundert über herausragende Meisterwerke, als existierten sie im luftleeren Raum, so analysiert man heute Werke aus Kunst und Kultur unter anderem mit Blick auf ihre Standorte: Dass die eine Skulptur in einem Museum steht und die andere in einem Park, macht einen Unterschied. Dass das eine Museum ein postmoderner Bau und das andere ein klassizistischer ist, verändert den Blick auf die Werke. Und ob ich ein Werk des Mittelalters inmitten von Werken des Mittelalters präsentiere oder es in der Abteilung für moderne Kunst platziere, wie es seit einiger Zeit üblich ist, hat Auswirkung auf Bedeutungen und Deutungen.

Denkmäler in Interaktion

In der Philosophie spricht man von «Konstellationsforschung» als Methode, um die Entstehung von Theorien aus einem konkreten Denkraum heraus zu untersuchen. In diesem Denkraum interagieren verschiedene Menschen, bekannte und weniger bekannte, und auch scheinbar unbedeutende Details spielen eine Rolle. Wie wäre es, diesen Ansatz für die Debatte über Denkmäler fruchtbar zu machen? Dabei würde es weniger darum gehen, die Ent-stehung von Denkmälern zu untersuchen. Sondern darum, ihre «Stehung» zu verstehen: Wo stehen die Objekte eigentlich? In welchen Konstellationen mit Bauten, Shops, Werbeplakaten, Passanten? Wie interagieren menschliche und nicht-menschliche Wesen mit den Denkmälern? Eine solche Herangehensweise weitet den Blick, ist lebensnah und schützt vor einer essenzialistischen Perspektive.

Vorausgeschickt sei, dass es im Folgenden nicht um Denkmäler von Nazi-Schergen oder Kommunisten-Schlächtern geht, bei denen klar ist, dass sie allenfalls im Museum etwas verloren haben. «Hard cases make bad law» – in den meisten Fällen diskutieren wir über Mehrdeutiges und müssen eine Güterabwägung vornehmen. Genau in diesem Zusammenhang ist es von Vorteil, die lebensweltliche Einbettung von Denkmälern zu berücksichtigen; sie als Knotenpunkte in dynamischen Kommunikationsnetzen zu begreifen.

Ein Denkmal für die Entrechteten im Bahnhofstransit

Als Beispiel könnte man an den Bahnhof Biel denken. Vor dem neoklassizistischen Gebäude steht seit 1981 die Bronzeplastik «Vertschaupet» (1979–80) von Schang Hutter. «Vertschaupet» ist Mundart und bedeutet «zertreten». Der Titel charakterisiert das Ensemble der cartoonartigen Figuren, die da stellvertretend für alle Zukurzgekommenen, Entrechteten, Geschundenen, Übersehenen stehen und liegen – übersehen, das werden sie in der Tat häufig, ist der Bahnhofsvorplatz doch für die meisten Menschen ein Ort des Transits, nicht des Verweilens. Die wenigen, die verweilen, sind im Grunde die, die Hutter darstellt – die Gescheiterten, die Trinker, die Vagabunden jeden Geschlechts. Was für eine Ironie des Schicksals, genauer: des «Machsals» (Odo Marquard).

«So könnte ein kritischer Betrachter einwenden: In dieser Konstellation ist Hutter doch nur eines jener politisch korrekten Feigenblätter, mit dem sich der Kapitalismus so gerne schmückt!»

Hutters Kunstwerk dürfte ganz nach dem Geschmack von Linksprogressiven wie auch mildtätigen Religiösen sein, zeigt es doch nicht nur die Schattenseiten der Macht, es befindet sich auch auf gleicher Augenhöhe wie die Betrachterinnen und Betrachter. Wunderbar, hier haben wir es, das ideale demokratisch-egalitäre Kunstwerk! Allein, bei dieser Betrachtungsweise hätten wir das Objekt aus seinem Kontext gerissen, seine Wirkung auf idealistische Weise verabsolutiert und ausgeblendet, dass es Teil eines hybriden Gefüges ist. So könnte ein kritischer Betrachter einwenden: In dieser Konstellation ist Hutter doch nur eines jener politisch korrekten Feigenblätter, mit dem sich der Kapitalismus so gerne schmückt!

Direkt neben Hutters mahnendem, zu Empathie anregendem Kunstwerk thront eine überdimensionierte Rolexuhr auf einer Stele. Ein paar Meter weiter befinden sich eine Filiale von McDonald’s und eine von Western Union. McDonald’s ist das Wahrzeichen des US-amerikanischen Kapitalismus, von «Shitty Little Jobs» und von coronarisikoerhöhender Ernährung schlechthin, während Western Union und ähnliche Dienste für Auslandsüberweisungen mit Geldwäsche in Verbindung gebracht werden.

Rezeption ist Produktion: der wache Blick des Flaneurs

Was ist sinnvoller? Über McDonald’s und Schang Hutter jeweils isoliert zu diskutieren oder die komplexe, schmutzige, widersprüchliche Realität in den Blick zu nehmen – eine Realität, in der sich die beiden einen Raum teilen und irgendwie interagieren müssen? Wie man im Museum gelernt hat, dem Getuschel der Werke untereinander zu lauschen, so sollte man auch im städtischen Raum die Gesamtheit seiner Elemente aufeinander beziehen. Konstellation, Kommunikation, Rezeption, Interaktion – jede Debatte über Denkmäler, die diese Faktoren nicht einbezieht, ist unterkomplex. Überhaupt wäre es angebracht, stärker auf Rezeptionsmodi statt nur auf starre Verweisungszusammenhänge zu fokussieren: X bedeutet Y. That’s it. Nein – Denkmäler werden gesehen, Bücher werden gelesen, Musik wird gehört. Erst in der Kommunikation entsteht das Kommunizierte. Man kann Progressives auf regressive, unkritische Art und Weise verehren, wie man umgekehrt Regressives durch progressive, kritische Rezeptionsformen konterkarieren kann.

Wer nur im Ja-Nein-Modus über Abreissen, Stehenlassen oder Neuaufstellen diskutiert, dem entgeht der von Walter Benjamin in seinen Texten über den Flaneur beschworene, latente Reichtum des städtischen – aber natürlich auch dörflichen – Raums – ein Reichtum, der zutiefst ironisch ist, insofern alle Dinge, wenn man sie erst einmal in ihren Konstellationen wahrnimmt, eine andere Bedeutung annehmen als die ihnen zugedachte.

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Frauen und Denkmäler

Lina Gafner, Historikerin und Projektleiterin von Stadt.Geschichte.Basel, 31. März 2021

Ist der Frauengeschichte Genüge getan, wenn den Eschers und Tells auf den Sockeln weibliche Pendants gegenübergestellt werden?

Wir kennen die historischen oder legendären Männer, die wir kennen sollen: den opferbereiten Winkelried, den klugen von Flüe, den mutigen Tell oder den erfolgreichen Escher.

Sie verfügen über ein historisches Datum, über einen Abschnitt in der Geschichte, den sie überlieferungsgemäss prägten. Sie stehen für historische Brüche, für menschliche Handlungsfähigkeit, für Fortschritt: Ihnen wird zugeschrieben etwas getan, etwas gesagt und damit den Lauf der Geschichte verändert zu haben. Sie rufen dem (männlichen) Betrachter zu: Sei wie ich! Sei einzigartig! Sei frei in deinen Entscheidungen! Sei ein guter Bürger!

Nur wenige Frauenskulpturen, die uns im öffentlichen Raum begegnen, sind historische Subjekte. Die meisten sind in ihrer Gestaltung recht einheitliche weibliche Gesichter und Körper, meist teilweise nackte, symbolhafte und über der Geschichte schwebende Gestalten. Sie stehen nicht für den historischen Bruch, das historische Handeln, sondern im Gegenteil für bleibende und einende Werte, für Heimat und das zu verteidigende Territorium. Sie scheinen direkt einer männlichen Phantasiewelt entsprungen zu sein.

Vereinzelte Heldinnen

Schon im 19. Jahrhundert verlangten Frauenorganisationen mehr weibliche Heldinnen im öffentlichen Raum und diese Forderung tauchte im Kontext einer jeden Frauenbewegung wieder verstärkt auf. Gertrud Stauffacher bekam schliesslich im Nationalratssaal einen Platz an der Seite des Tell: er als Symbol für die Tat, sie als Symbol für die gute Idee (die sie ihrem Mann eingegeben hat). Eine Statue von Dorothea von Flüe wurde im Jahr des ersten Frauenstreiks 1991 durch den Bund Katholischer Bäuerinnen gestiftet. Dorothea hatte 10 Kinder zur Welt gebracht, bevor ihr Mann Niklaus von Flüe beschloss, die Familie zu verlassen, um Eremit zu werden. Sie steht auf dem Friedhof von Sarnen, von drei Kindern umringt. Doch solche weiblichen Heldinnen bleiben vereinzelte Punkte in der Landschaft.

Seit den 1980er-Jahren hat sich die Tradition der subversiven Umdeutung und Umgestaltung bestehender Denkmäler etabliert. Männlichen Figuren werden Schürzen umgebunden und Puppen in die Arme gelegt. Farbe und ganz andere Themen als Krieg und Individualismus kommen ins Spiel, wenn sich Frauen Denkmäler aneignen und sie temporär umgestalten.

Der Mangel an weiblichen Statuen spiegelt zweifellos den gerade in der Schweiz hartnäckigen Ausschluss der Frauen aus der politischen Sphäre und aus dem Geschichtsbewusstsein. Initiativen wie «100Elles*», die anregen, weibliche Pionierinnen mit Strassennamen zu ehren, können eine gewisse Abhilfe schaffen und die Präsenz weiblicher Namen zur Norm erheben. Doch es stellt sich die Frage, ob der Frauengeschichte Genüge getan ist, indem einzelne Frauen ausgewählt, auf den Sockel gehoben und so den Eschers und Tells, den Repräsentanten einer männlich geprägten Erinnerungskultur, gegenübergestellt werden.

Kollektives Handeln

Zur Klärung beitragen könnte Hannah Arendts Unterscheidung des agonalen und des assoziativen öffentlichen Raums, den die US-amerikanische Politphilosophin Seyla Benhabib 1994 in Erinnerung gerufen hat: Der agonale Raum ist ein Raum des Wettstreits um Beifall, ein Raum der Individualität, des einzelnen Bürgers und des Pioniers inklusive Namen und Lebensdaten auf dem Sockel. Der assoziative Raum hingegen ist ein Raum, in dem kollektives Handeln stattfindet, in dem sich Gleichgesinnte zusammenschliessen, Bezüge herstellen, solidarisch sind. Die Geschichte der Frauen ist immer auch eine Geschichte der Bewegungen gewesen. Jede Frau ist anders, ja, aber gemeinsam haben Frauen viel erreicht.

«Die Geschichte der Frauen ist immer auch eine Geschichte der Bewegungen gewesen. Jede Frau ist anders, ja, aber gemeinsam haben Frauen viel erreicht.»

Das Verhältnis der Frauen zum öffentlichen Raum hat die Geschichte der Frauen strukturiert. Ein durch viele Formen des Ausschlusses geprägtes Verhältnis, das von der Verweigerung politischer Teilhabe über unterbewertete weibliche Stimmen im öffentlichen Diskurs bis zur Gewaltandrohung reicht. Denn auch heute noch wächst jede junge Frau mit der Warnung vor einsamen Strassen und dunklen Ecken auf. Frauen haben sich Zugang zu politischen Rechten, zu sozialer Absicherung und zum Recht, über ihren Körper zu bestimmen, erkämpft. Diese Kämpfe markierten immer auch ein neues Verhältnis zum öffentlichen Raum: Frauen verlangten Mitsprache, begannen Hosen zu tragen, Zigaretten zu rauchen, besetzten Plätze und zogen in Massen durch Strassen, sie stillten demonstrativ in der Öffentlichkeit und zeigten ihre Körper so, wie es ihnen gefiel.

Wer bestimmt, wie Geschichte erinnert wird?

Für die Frauenbewegungen ist kollektives, soziale und politische Grenzen übergreifendes Handeln immer wichtig gewesen. Doch wie können Frauen als kollektive historische Subjekte sichtbar gemacht werden? Wie könnte etwa der Frauenstreik 2019 in der Schweiz erinnert werden? Die Bäuerinnen in den Liegestühlen? Der befreite Ausdruck in den Gesichtern der zahllosen Frauen, die den öffentlichen Raum ganz für sich reklamierten? Die politische Leistung, über Gräben hinweg für einen Tag das Gemeinsame hervorzuheben?

Es geht nicht nur um die Repräsentation von Frauen in einer durch männliche Erinnerungskultur geprägten Denkmallandschaft. Vielmehr sollten wir uns auch fragen: Wer bestimmt, wie Geschichte erinnert wird? Braucht es dafür Geld, politischen Einfluss, ein Komitee? Und wir sollten uns, bevor wir nach wichtigen Namen suchen, fragen, woran und wie wir uns erinnern wollen und wie die Erinnerung unseren Lebensraum prägen soll. Kurz: Wie Frauen ihrer Geschichte im öffentlichen Raum begegnen möchten.

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Ein altes Problem: zum Umgang mit missliebigen Statuen in der Spätantike

Lorenz E. Baumer, Archäologe Uni Genf, 15. März 2021

«Seine Standbilder sind überall zu beseitigen, und sein Name ist von allen öffentlichen und nichtöffentlichen Denkmälern zu tilgen.»

Scriptores Historiae Augustae, Leben des Commodus, 20,3

Die Debatte über den Umgang mit Statuen problematischer Persönlichkeiten füllt seit einiger Zeit die Zeitungen und elektronischen Foren. In der Hitze der Diskussion wird gerne vergessen, dass es sich dabei um ein in der Geschichte wiederholt auftauchendes Thema handelt, dessen Anfänge in die Antike zurückreichen.

Die Erinnerung verdammen, aber ohne zu vergessen

Das erste, was einem dazu in den Sinn kommt, ist die berühmte Damnatio memoriae  (wörtlich: «das Verdammen der Erinnerung»). Doch die Parallele ist etwas zu schnell gezogen, denn der Begriff, der eigentlich erst aus dem siebzehnten Jahrhundert stammt, beschreibt ganz allgemein die römische Sorge um den posthumen Ruf. Die Massnahmen beschränkten sich nicht auf die Entfernung, Verstümmelung oder Zerstörung von Statuen des Verurteilten, sondern umfassten eine Reihe weiterer Möglichkeiten, wie z.B. das Verbot der öffentlichen Zurschaustellung von Wachsmasken des Verurteilten bei aristokratischen Begräbnisfeiern oder die Aufnahme seines Geburtstages in offizielle Liste der dies nefasti  («Unheilstage»). Letzteres verdeutlicht, dass darauf geachtet wurde, dass die Verdamnis als solche durchaus im öffentlichen Bewusstsein blieb.

Die Zerstörung ‘heidnischer’ Statuen

Das Aufkommen des Christentums brachte eine weitere Bedrohung für die Skulpturen mit sich, dies vor allem mit dem Edikt von Kaiser Theodosius I. aus dem Jahr 391, das den Nichtchristen den Besuch ihrer Tempel verbot und deren Schliessung vorschrieb. Nur wenige Monate später griff Theophilus, Bischof von Alexandria, mit einer Gruppe von Christen die kolossale Kultstatue des Sarapis an: «Man zerhackte sie nun in kleine Stücke und warf sie ins Feuer, den Kopf aber schleppte man durch die ganze Stadt, so dass seine Verehrer es sehen und sich über die Ohnmacht des von ihnen angebeteten Gottes lustig machen konnten» (Theodoret von Kyrrhos, Kirchengeschichte, V, 22).

Zerstörung mit göttlicher Hilfe

In Gallien ging der Heilige Martin von Tours, der 371 zum Bischof ernannt worden war, mit viel Inbrunst gegen den Götzendienst der Nichtchristen vor, doch erforderte dies nicht selten göttlichen Beistand: So entdeckte er in einem Dorf «eine Säule von enormer Grösse, auf der ein Götzenbild stand. Martin dachte daran, sie zu stürzen; doch verfügte er nicht über die Mittel, um sein Vorhaben auszuführen. Also wandte er sich, wie es seine Gewohnheit war, dem Gebet zu. Es ist eine bestätigte Tatsache, dass man eine Säule von etwa gleicher Grösse vom Himmel fallen sah, die das Götzenbild unter sich zermalmte und die ganze Steinmasse zu Staub verwandelte» (Sulpicius Severus, Dialoge IX).

Das Bild, das die literarischen Quellen zeichnen, ist allerding von der Sichtweise der Kirchenhistoriker geprägt, während die Funde von Skulpturen in archäologischen Kontexten desselben Zeitraums einen wesentlich differenzierteren Umgang mit den antiken Bildwerken belegen.

Ein gewisser Respekt vor dem kulturhistorischen Erbe

Bestätigt wird dies z.B. in Martigny durch die Entdeckung der sorgfältig vergrabenen Torsi zweier Marmorstatuen im Sommer 2011, wovon die eine Apollo mit seiner Kithara und die andere den sich auf seine Keule stützenden Herkules zeigt. Die Deponierung der Statuen in einer Erdgrube, die frühestens auf das Ende des 4. Jahrhunderts und damit auf einen Zeitpunkt zurückgeht, als das Christentum bereits fest in der Stadt etabliert war, zeugt von einem gewissen Respekt der Christen vor den antiken Bildwerken. Gleichzeitig ist zu beachten, dass die Statue des Apollo schon vor ihrem Vergraben kastriert wurde. Dem Herkules blieb diese Massnahme erspart, da er durch seine beschützende Rolle, die ihm auch von den Christen beigemessen wurde, davor geschützt war.

Einritzen statt Zerschlagen

Die Zerstörung und/oder das Vergraben waren jedoch nur die letzten Mittel im Umgang mit den alten Statuen: Neben der Verstümmelung der Geschlechtsteile war eine weitere gängige Massnahme das Einritzen von Kreuzen, vorzugsweise in den Augen, auf dem Mund oder auf der Stirn, um die heidnischen Dämonen zu bannen, die man im Inneren der Bildwerke vermutete. Solche Eingriffe ermöglichten es gleichzeitig, die Skulpturen wegen ihres Denkmalwertes zu erhalten. In die gleiche Richtung weist der Fall des Forums von Timgad (Algerien), wo eine große Anzahl von Statuen aus früheren Perioden zusammengetragen wurde, wie die erhaltenen Basen bezeugen. Dadurch verwandelte sich der Platz nach und nach in einen Erinnerungsort der Geschichte der Stadt.

Neue Köpfe auf alten Leibern

Eine weitere Möglichkeit, die Skulpturen zu erhalten, bestand darin, sie zu aktualisieren, indem man die Inschrift auf der Basis und vor allem den Kopf durch denjenigen einer aktuellen Persönlichkeit ersetzte. Dies ist etwa der Fall bei einer Ehrenstatue einer sitzenden Frau in Ephesos, die im 2. Jh. geschaffen wurde: Zwei Jahrhunderte später wurde das Werk zusammen mit gut hundert anderen Skulpturen verwendet, um die öffentlichen Bäder in der Nähe der Agora zu schmücken. Die Renovierung der Bäder wurde von einer gewissen Scholastika finanziert, einer Frau von offensichtlichem Wohlstand, deren Porträt von nun an dasjenige aus der Kaiserzeit ersetzte.

Im Unterschied zu den literarischen Quellen belegt die Archäologie somit einen differenzierten und sichtlich überlegten Umgang mit den alten Skulpturen in der Spätantike, was die oben zitierten Beispiele allerdings nur ansatzweise aufzeigen können.

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Die Unité d’archéologie classique der Universität Genf hat zum gleichen Thema einen kostenlosen Onlinekurs (MOOC) erarbeitet: « A l’avènement du christianisme : l’archéologie des derniers païens », zugänglich auf Coursera : https://www.coursera.org/learn/archeology

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In Stein gemeisselte Erinnerung? Denkmäler im digitalen Zeitalter

Larissa Hugentobler, Medienwissenschaftlerin Universität Zürich, 2. Februar 2021

Ein zehn Meter langer, sterbender Löwe, von Hand aus einem Sandsteinfelsen gehauen. In Luzern erinnert dieses Denkmal an die im Jahr 1792 in Paris gefallenen Schweizergardisten. Ein Löwe symbolisiert verstorbene Männer? Noch abstrakter ist das Grauholzdenkmal: Eine Säule mit Inschrift erinnert an die Schlacht am Grauholz von 1798. Konkret ist dafür die Statue des Bankiers David de Pury, dessen Ebenbild in Bronze gegossen auf einem Sockel im Neuenburger Stadtzentrum steht.

Egal wie abstrakt oder konkret: Diese altmodischen, in Stein gemeisselten Darstellungen dienen dazu, an etwas aus der Vergangenheit zu erinnern – einen Menschen, oder ein Geschehnis. Die beschränkte Anzahl Denkmäler erinnert jedoch nicht an alles und jeden (und vor allem nicht an jede). Diese Tatsache greifen auch die immer lauter werdenden Diskussionen zur Repräsentativität von Denkmälern auf. In den letzten Jahren sind Stimmen lauter geworden, welche beklagen, dass die Denkmalpolitik global zu restriktiv ist.

Eine ideologische Auswahl

Natürlich muss eine Auswahl getroffen werden, denn Ressourcen sind endlich: nicht überall ist Platz für ein Denkmal und die Bauwerke kosten Geld. Die Auswahl widerspiegelt jedoch keine neutrale Selektion aus der Vergangenheit. Indem man aussucht, wer mittels eines Denkmals unsterblich gemacht wird, entscheidet man, wer wichtig «ist». Daher reflektieren diese Denkmäler nicht nur eine Erinnerung, sondern eine Ideologie. Indem wir Motive der Vergangenheit aussuchen, machen wir eine Aussage darüber, was wir wichtig finden, wofür wir stehen, und was uns für die Zukunft wichtig ist. Denkmäler stehen also für viel mehr als nur Erinnerungen: Sie zeigen auf, welche Werte in einer Gesellschaft als wichtig gelten.

In den aktuellen Debatten um das Entfernen oder Stürzen von problematischen Gedenkstätten wird oft folgendes Argument laut: Den Statuen fehlt es an Kontext. Nehmen wir den eingangs genannten David de Pury. Der einflussreiche Mann hinterliess nach seinem Tod seiner Geburtsstadt Neuchâtel ein riesiges Vermögen. Das Geld stammte jedoch unter anderem aus dem Sklavenhandel. Das heisst nun nicht, dass man seinem Beitrag zum Schweizer Allgemeinwohl nicht gedenken kann, aber man kann dies nur ehrlich tun, indem man auch auf seine (in diesem Fall markanten) Schwächen hinweist. Mittels Informationstafeln kann so etwas gelöst werden, oder noch besser: Indem die Statuen in Museen wandern. Denn der springende Punkt ist: Während Museen ihre Ausstellungsstücke kontextualisieren und so Dinge zeigen können, welche spätestens aus heutiger Sicht als problematisch gelten, kann das ein Denkmal nur bedingt. Denn, wie eingangs erwähnt, bildet die Auswahl von erinnerungswürdigen Personen ein Statement dazu, was eine Stadt, eine Gemeinde, ein Staat für richtig und wichtig hält. Eine Plakette, die das relativiert, kann daran nicht viel ändern, denn die Präsenz im öffentlichen Raum ist das, was dem Denkmal seine Bedeutsamkeit gibt.

Denkmal-«Gerechtigkeit» im digitalen Raum?

Wie steht es nun um die Zukunft solcher Denkmäler? Ist es möglich, dass sie durch die zunehmende Digitalisierung verdrängt werden? Online könnten wir mit geringen Ressourcen viel mehr Menschen und Ereignisse erinnern und ehren. Zudem wären diese Informationen viel leichter zugänglich, da sie nicht an einen physischen Raum gebunden sind: Ein traditionelles Denkmal sieht man schliesslich nur, wenn man gerade daran vorbeigeht. Doch diese Möglichkeiten sollten als Zusatz und nicht als Ersatz verstanden werden.

Denn traditionelle Denkmäler sind gerade deshalb so aussagekräftig, weil sie ein offizielles Statement sind, das im öffentlichen Raum platziert wurde und zu dem alle Zugang haben. Sie zeigen, für welche Werte und Ideologien die Schweiz steht. Im Umkehrschluss impliziert dies: Alle nicht repräsentierten Personen, Gruppen und Ereignisse werden als unwichtig erachtet.

Wie wir alle aus Erfahrung wissen, ist eine der grossartigen Eigenschaften des Internets, dass eine Unmenge an Informationen jederzeit und praktisch gratis verfügbar ist. Das birgt grosses Potential, um die Erinnerungskultur diverser zu machen: Wir könnten online viel mehr Menschen gedenken, als dies im begrenzten öffentlichen Raum möglich ist. Gruppierungen, deren Beiträge zum Allgemeinwohl bislang nicht repräsentiert wurden, könnten so sichtbar gemacht werden. Was wir jedoch auch wissen: bei einer so grossen Menge an Informationen übersieht man schnell einmal etwas und es ist schwierig herauszufinden, was von glaubwürdigen Autor*innen stammt.

Hier könnten Institutionen aushelfen, die wir aus dem «offline-Leben» kennen. Wenn beispielsweise das Schweizerische Nationalmuseum Denkmalseiten online produzieren würde (wie das auf dem Museumsblog zum Teil bereits geschieht), wäre das Vertrauen in die Informationen vermutlich grösser, als wenn diese digitalen Denkmäler von irgendwelchen Privatpersonen erstellt werden. Entscheidend ist, dass kulturelle Institutionen online neben einer informierenden auch eine selektionierende Rolle spielen können. Wenn bei einer Google-Suche ein Denkmal für die italienischen Gastarbeiter*innen in der Schweiz und eines für James Schwarzenbach direkt nebeneinander erscheinen, hätten die Denkmäler eine wichtige Eigenschaft eingebüsst: Neben der Erinnerung stehen Denkmäler ja auch für eine Ehrung. Wird also gar nicht mehr selektioniert, machen Denkmäler kaum mehr ein Statement dazu, was einem Land wichtig ist – es scheint dann alles gleich wichtig.

Deshalb werden «digitale Denkmäler» in Zukunft vermutlich eher eine ergänzende Rolle zu den physischen Statuen im öffentlichen Raum spielen. Sie funktionieren gut, um unser Land in seiner Vielfalt darzustellen sowie um mehr und leichter zugängliche Informationen zu den erinnerten Personen anzubieten. Was sie jedoch nicht können, ist als offizielles Statement im öffentlichen Raum stehen. Gerade weil bei klassischen Denkmälern eine starke Selektion durchgeführt wird, haben Denkmäler überhaupt eine solch starke Bedeutung: Was einen Ort hat, hat einen Wert.

 

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#Denkmalsturz

Gesine Krüger, Historikerin, Universität Zürich, 21. Juni 2020 in Geschichte der Gegenwart(alle Rechte vorbehalten)

Die Diskussion zu den Denkmalstürzen der letzten Tage wird oft auf eine einfache Opposition reduziert: Alles muss weg – oder nichts darf angetastet werden. Als Königsweg erscheint dann «Kontextualisierung». Doch wie soll diese aussehen? Und was passiert da eigentlich gerade weltweit? 

Nachdem Anfang Juni der US-amerikanische Bürger George Floyd von Polizisten in Minneapolis getötet worden ist, sind in bisher mehr als 3000 Städten weltweit Menschen auf die Strassen gegangen. Die Proteste haben an vielen Orten auch zur Demontage und Zerstörung von Denkmälern geführt, mit wütendem Ernst oder als fröhliches Happening. Soll damit Geschichte – zumindest symbolisch – ausgelöscht werden? Oder geht es darum, eine bestimmte in Stein gemeisselte und in Metall gegossene Interpretation der Vergangenheit in Frage zu stellen? Letzteres ist oft genug Jahrzehnte lang ebenso geduldig wie erfolglos geschehen, etwa im Fall des Denkmals für Edward Colston, das nun doch unter dem Jubel der Menge im Hafenbecken von Bristol gelandet ist.

Geschichtspolitik

In der Geschichte wurden immer wieder Denkmäler errichtet, gewidmet, umgewidmet, abgerissen, gestürzt. Oft waren es die Sieger, die Denkmäler schleiften, heute sind es die Aufständischen in den Städten, die gegen Alltagsrassismus und strukturellen Rassismus in Institutionen kämpfen sowie für eine Aufarbeitung der Geschichte von Kolonialismus und – besonders in den USA – der Sklaverei.

Statuen verfügen über eine besondere, fast magische Qualität, denn sie verkörpern als steinerne oder bronzene Abbilder eine konkrete historische Person und nicht allein ein historisches Ereignis. Sie symbolisieren den Zweck des Gedenkens und verkörpern ihn gewissermassen. Dies spiegelt sich in manchen Berichten über die jüngsten Ereignisse wider: Statuen sind «Opfer geworden», sie werden «gewaltsam gestürzt» und «angegriffen». Von den Demonstranten werden die Gesichter der Statuen mit Farbe verschmiert oder verhüllt, bevor sie von ihrem Standort entfernt werden. Die Anthropologin Katherine Verdery hat in ihrer Untersuchung «The Political Life of Dead Bodies» zur weitverbreiteten Praxis der Umbettung von Toten im postsozialistischen Osteuropa auch die Entfernung von Statuen aus der Öffentlichkeit als Teil einer symbolischen «Körperpolitik» verstanden, mit der Räume neu «kodiert», mit neuen Bedeutungen versehen werden. In dieser Lesart braucht es historische Symbole, um in Zeiten des Umbruchs über die Zukunft sprechen zu können.

Auch der Akt des Denkmalsturzes kann ein starkes Symbol sein, wie sich in den letzten Tagen zeigte, etwa in Bristol, wo die Statue von Edward Colston vom Sockel geholt wurde. Colston war ein Sklavenhändler und Deputy Governor der Royal African Company, die zwischen 1672 und 1689 etwa 100 000 versklavte Menschen aus Westafrika hauptsächlich in die Karibik verschifft hat. Viele Tausende starben bei den Überfahrten und ihre Leichen wurden ins Meer geworfen. Daran erinnert der performative Akt, Colstons Denkmal nicht nur zu stürzen, sondern durch die Strassen zum Hafen zu rollen und dort ebenfalls ins Wasser zu werfen. Die vielen Erinnerungen an Colston, dessen Name in Bristol Strassen, Schulen, Plätze und öffentliche Gebäude schmückt, gilt natürlich nicht dem Sklavenhändler, sondern dem Wohltäter und grosszügigen Mäzen. Woher das Geld genau kam, hat dabei wenig interessiert. Schliesslich waren auch die Sklaven im Hafen von Bristol nicht zu sehen, sondern nur die Waren, die den Handel am Laufen hielten. Doch diese Reduktion der Geschichte ist für viele nicht mehr akzeptabel, wie Eingaben, Petitionen und Diskussionen zeigen. Und so erfolgte dieser Denkmalsturz auch weniger im Furor des Augenblicks, sondern als vorläufiger Schlusspunkt unter einer jahrzehntelangen Debatte.

Immer wieder – so auch in den Auseinandersetzungen in Bristol über Colston, bei denen es Petitionen für und gegen Umbenennungen gab – wird argumentiert, die Denkmalstürze bärgen die Gefahr, die Schrecken der Vergangenheit vergessen zu lassen. Doch man möchte sich ja ohnehin nicht an den Sklavenhändler, sondern an den Gründer von Schulen und den Wohltäter der Armen erinnern. Und genau darum gehen die Auseinandersetzungen: An welchen Teil unserer Geschichte möchten wir uns erinnern, und welchen Teil möchten wir lieber vergessen? Die Schrecken sind eben gerade nicht Teil der offiziellen Erinnerungspolitik um die nun gestürzten Denkmäler, sondern deren Vergessen ist Anlass für den Sturz.

Die unsichtbaren Zeichen sichtbar machen

 Braucht es wirklich Statuen, um Geschichte lebendig zu halten, zu vergegenwärtigen? Zumeist sind Denkmäler solange «unsichtbar», Teil der Strassenkulisse, wie Robert Musil geschrieben hat – oder höchstens eine Touristenattraktion –, bis sie gestürzt oder ander- weitig „mit Leben erfüllt“ werden. 2019 etwa hat die Stadt Zürich zum Zwingli-Jahr überlebensgrosse, jeweils unterschiedlich ausgestattete Zwingli-Statuen in allen zwölf Stadtkreisen aufstellen lassen, um damit Gespräche in Gang zu setzen – so gab es etwa einen «Klima- Zwingli». Vermutlich haben die meisten Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt «ihren Zwingli» zum ersten Mal bewusst angeschaut, bevor die Statuen im Anschluss an die ökumenisch getragene Aktion für einen sozialen Zweck versteigert wurden. Zwanzig Jahre früher hatte der Künstler Jan Morgenthaler, ebenfalls in Zürich, mit der Aktion «Transit 1999» Denkmäler auf Reisen geschickt. Escher, Pestalozzi, Waldmann und Zwingli wurden von ihren Sockeln geholt und ins Industriequartier verschoben. Auch dies eine Aktion der Sicht- barmachung, die verschiedene, nicht eindeutige Lesarten offenhalten wollte. Man kann Denkmäler auch hinlegen, umdrehen oder auf den Kopf stellen, wie Jürgen Zimmerer jüngst hinsichtlich des Bismarck-Denkmals in Hamburg vorgeschlagen hat. Wobei ein solch umgedrehtes Denkmal vermutlich auch schnell wieder Teil der Strassenkulisse wird, und nicht Teil eines lebendigen Gedankens und Gefühls, um noch einmal Musil zu zitieren.

Im Falle des belgischen Königs Leopold II., dessen Statue in Antwerpen von den Behörden als Reaktion auf die Proteste entfernt worden ist, könnte Geschichte sichtbar gemacht werden, anstatt sie schnell aus dem öffentlichen Raum zu entsorgen, z.B. indem allen Leopold Denkmälern eine Hand entfernen wird, was sie vom Denkmal zum Mahnmal machte. Denn das Abhacken von Händen und Füssen war gängige Praxis im kolonialen Kongo als Strafe für zu geringe Arbeitsleistungen. In Leopolds Privatkolonie herrschte ein entfesseltes Zwangs- und Folterregime, das als Kongogräuel in die Geschichte einging, und bereits durch die Schriften von Zeitgenossen wie Arthur Conan Doyle oder Joseph Conrad einer mehr oder weniger entsetzen Öffentlichkeit in Europa und den USA bekannt war. Schon 2004 raubte die Künstlergruppe De Stoete Ostendenoareeinem zentralen Standbild von Leopold eine Hand, allerdings nicht dem König selbst, sondern einem der kongolesischen Männer, die Teil des 1931 errichteten Reiterstandbild mit der Inschrift: «De dank van de Congolezen aan Leopold II» sind. Sie wollten die Hand nur im Tausch gegen die Wahrheit über die Herrschaft im Kongo und eine Entschuldigung zurückgeben.

Einen anderen Weg beschreitet der US-Amerikanische Künstler Kehinde Wiley mit seiner Serie «Rumors of War», die sich mit Reiterportraits im Kanon der westlichen Kunstgeschichte befasst. Als Höhepunkt enthüllte er 2019 erst am Times Square in New York, und später in Virginia, eine monumentale Reiterstatue aus Bronze, bei der ein junger Mann mit Dreadlocks, Jeans und Turnschuhen in der Pose des Konföderierten Generals J.E.B. Stuart auf dem Pferd sitzt. Kehinde Wiley geht es sowohl darum, dass er mit seinem Werk den Monumenten in den Südstaaten und deren Betrachtern widerspricht, ihnen antwortet («speaking back»), als auch Teil eines globalen Gesprächs wird.

Momentan aber entlädt sich grosse Wut gegen die Symbole eines verweigerten Gespräches, vielleicht auch, weil die Debatten immer wieder verebben. Gleichwohl zeigen die reichlich in den Sozialen Medien kursierenden Aufnahmen der Denkmalstürze auch eine gewisse Lust und Fröhlichkeit, mit der diese (ehemaligen) Herren vom Sockel geholt werden. Und natürlich werden die mit den Denkmälern verbundenen Geschichten von Unterdrückung und Widerstand mit viel Pathos erzählt, aber es handelt sich schliesslich nicht um Fachkonferenzen, sondern um Strassenaktionen.

Geschichte sichtbar machen

Der Bürgermeister von Bristol, Marvin Rees, spürte kein grosses Bedauern über den Denkmalsturz in seiner Stadt, obwohl er sagte, dass er Vandalismus nicht unterstützen würde, und einen politischen Prozess bevorzug hätte. Auf die Frage der BBC, warum er als Bürgermeister nicht längst die Entfernung der Colston-Statue veranlasst hätte, mahnte er zu etwas mehr Realismus: Welche Diskussion hätte es wohl ausgelöst, wenn er als schwarzer Labour-Politiker mitten in der Brexit-Debatte als erste Amtshandlung ein zentrales Symbol des British Empire hätte abräumen lassen. Diese Antwort zeigt schmerzlich das ganze Problem, um das es im Moment geht: Rees ist eben nicht einfach Bürgermeister, sondern ein schwarzer Bürgermeister.

Auch der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, strebt eine politische Lösung an und hat eine Kommission eingesetzt, die sich mit den Denkmälern und Strassennamen der Stadt befasst. Natürlich verändert sich der Prozess, wenn er in die Hand von Behörden übergeht, Kommissionen müssen nicht nur eingesetzt und paritätisch besetzt werden, es müssen Regularien und Kriterien festgelegt und unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden, alle Bürgerinnen und Bürger müssen sich repräsentiert fühlen. Und vorsichtig hat Khan schon ausgeschlossen, Statuen von Persönlichkeiten vom Rang eines Winston Churchills in seine Untersuchung einzubeziehen, auch wenn Schulkinder natürlich über die guten und schlechten Seiten berühmter Persönlichkeiten unterrichtet werden müssten, niemand sei schliesslich perfekt, und das würde eben auch Churchill, Gandhi und Malcolm X betreffen.

Aber es gibt eben keine Statue von Malcolm X in London…

Der Journalist Stephen Kupakwesu Bush schrieb denn auch im New Statesman, das Problem sei nicht, welche Statuen abgerissen, sondern welche neu errichtet werden sollten. Und genau das ist auch Teil der Kommissionspolitik von Bürgermeister Khan. In den Galerien Londons werden die Kunstwerke immer wieder umgehängt, abgenommen, ersetzt, neu arrangiert – warum sollte das mit der Kunst im öffentlichen Raum nicht möglich sein, fragt Bush. Und er weist auf eine Ironie der Geschichte hin. Ausgerechnet die jüngst entfernte Statue des Sklavenhändlers Robert Milligan ist erst 1997, nach der Entwicklung der London Docklands als Finanz- und Ausgehviertel, wiedererrichtet worden.

Geschichte ausradieren – Geschichte bewirtschaften

Stadträume werden derzeit restaurativ umgestaltet, man denke nur an das Stadtschloss in Berlin oder die Frankfurter Altstadt, mit denen die Geschichte der DDR und des Zweiten Weltkriegs architektonisch überformt werden. Diese Veränderungen und Neuschöpfungen lösen ungleich weniger Ängste, Emotionen und Aggressionen aus als die gegenwärtigen und vergangenen Denkmalstürze. (Schon 1961 etwa protestierten Studierende der Universität Hamburg gegen zwei Kolonialdenkmäler vor ihrer Universität, die sie dann 1968 stürzten.) Dabei geht es in den meisten Fällen sicher nicht um den künstlerischen Wert der Abbilder ernst blickender Männer und dahinsprengender Rösser. Es geht um Geschichte, und zwar um Geschichte in der Gegenwart. Niemand denkt im Ernst, dass Saddam Hussein oder Stalin in Vergessenheit geraten, weil ihre Denkmäler gestürzt sind. Aber ein Südstaatengeneral?

Muss die Erinnerung an ihn nicht sehr aktiv aufrechterhalten werden? Und damit stellt sich auch die Frage, welche Geschichten die Statuen von sich selbst erzählen, und hier sind die Bürgerkriegsdenkmäler in den USA ein interessantes Beispiel.

Viele dieser bereits vor drei Jahren und heute wieder umkämpften Denkmäler zeigen Reiter- statuen konföderierter Generale. Sie gehören zu den etwa 1500 symbolischen Orten des Bürgerkriegs, hauptsächlich in den Südstaaten, darunter 718 Monumente. Es sind keine Denkmäler gegen die Sklaverei, gegen den Krieg oder für die Versöhnung, sondern dezidiert Erinnerungen an die Südstaatenarmee, errichtet zumeist von privaten Gruppen und Vereinen, häufig während der Hochzeit des Ku-Klux-Klan und der Jim Crow-Gesetze. Noch 2009 wurde in Waverly, Missouri, eine Bronzestatue für General Joseph O. Shelby errichtet, der aus einer der reichsten Familien in Kentucky stammte und eine Sklavenplantage besass. «You are changing history», sagte Donald Trump, nachdem der Stadtrat von Charlottesville beschlossen hatte, das Reiterstandbild von General Lee aus einem öffentlichen Park zu entfernen. «Youʼre changing culture.» Doch diese Geschichte geht nicht besonders weit zurück. Der britische Guardian kommentierte – damals noch ironisch gestimmt:

«History about as old as the George W. Bush presidency, it turns out in a surprising number of cases – and culture stretching back to the heyday of Britney Spears.»

Mehr als dreissig Bürgerkriegsdenkmäler sind nämlich erst in den letzten zwanzig Jahren errichtet worden. Die meisten Standbilder der Helden im Kampf für die Sklaverei wurden im 20 Jahrhundert aufgestellt. Sie sind keinesfalls stumme Zeugen der Vergangenheit, sondern aktiver Bestandteil von Geschichtspolitik. Dazu gehören auch Neuwidmungen, rededications, die mit festlichen Akten begangen werden, um die alte (Sklavenhalter-)Gesellschaft des Südens zu feiern. So kann es nicht wundern, dass diese Denkmäler zum Symbol von Alt Right und White Supremacy geworden sind, nicht, weil die Protestierenden das so sehen, sondern weil sie in diesem Sinn genutzt werden. 

An wen wollen wir uns erinnern?

Derzeit wird in den Medien eher wohlwollend über die Denkmalstürze berichtet, aber es werden auch immer wieder besorgte Stimmen laut: Wo soll das alles enden? Wer stünde noch zur Disposition – Churchill, Bismarck, alle Nationalhelden der westlichen Welt? Kant gar? Doch hinter der Frage, wo soll das enden, verbirgt sich oft die Angst, überhaupt anzufangen. Und sie zeigt, dass es tatsächlich erst einmal kein Ende gibt, denn so vernetzt, global die Proteste sind, so vernetzt und global, so tief verankert in der Gesellschaft waren Sklavenhandel und Kolonialismus. Auf der interaktiven Karte «Topple the Racists» finden sich neben Sklavenhaltern und Kolonisten historische Persönlichkeiten wie König Charles II., Oliver Cromwell, Horatio Nelson und Sir Francis Drake. Das zeigt das Problem, dass nicht nur Privatpersonen vom Sklavenhandel profitiert haben, sondern es handelt sich um ein System. Viele Städte haben nicht nur eine Statue eines Sklavenhalters im Stadtzentrum, sondern die von ihm gestifteten Parks, Schulen, etc. Eine Dekolonisierung des öffentlichen Raumes würde nicht bedeuten, einige Statuen zu entfernen, sondern eine Kartierung dieses Erbes, um es sichtbar zu machen. Es geht um den gegenwärtigen Umgang mit der kolonialen Vergangenheit und um die Gegenwart kolonialer Manifestationen.

Und anstatt das was-wäre-wenn-Spiel zu spielen, sollte man sich mit den konkreten Aktionen und Orten befassen, an denen jetzt gerade Denkmäler gestürzt werden. Was sind die Gründe, was sind Kontext und Vorgeschichte? Wem geht es um was genau in dieser globalen Bewegung, mit ihren jeweils sehr spezifischen lokalen oder regionalen Ausprä- gungen, die jeweils unterschiedliche Lösungen brauchen, die den Bedürfnissen der Nachbarschaft, der Stadt, des Landes entsprechen? Vergangenheit wird keinesfalls ausgelöscht, wenn ein Denkmal gestürzt wird, das wissen wir nicht erst seit der Französischen Revolution. Die kritische Untersuchung des historischen Erbes – auch im öffentlichen Raum – am Beispiel von mit Denkmäler geehrten Persönlichkeiten nimmt der Geschichte nichts weg, sondern fügt ihr etwas hinzu. Wem wollen wir Denkmäler setzen und in welcher Form? Das ist vielleicht die bessere Frage als die, wer weg soll.

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In Bild und Ton

Wie interagieren wir mit Denkmälern? Hier präsentieren wir Dir eine wachsende Sammlung von Bildern, Videos und Tonspuren zu dieser Frage.

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Comic: Offener Brief an Carl Vogt

Am Eingang der Universität Genf steht eine Büste von Carl Vogt (1817 - 1895), ehemaliger Rektor der Uni Genf. Carl Vogt war seiner Zeit ein renommierter Gelehrter, der aber auch rassistische und frauenfeindliche Thesen veröffentlichte. Die Professorin Juliet Fall (Uni Genf) schrieb Carl Vogt einen offenen Brief in Form eines Comics (zum Lesen aufs Bild Klicken - Englisch).

Die Geschichte hinter dem Comic auf der Website der Uni Genf (Französisch)

Denkmal-Debatte in den USA

Im Sommer 2020 wurden Denkmäler  in USA verschiedenerorts Denkmäler heftig kritisiert und sogar gestürzt.

Wilhelm Tell und Käse

Auch gut für Käsewerbung: Die Wilhelm-Tell-Statue in Altdorf

Wie du dein eigenes Denkmal bekommst (izzy)

Youtuber izzy hat sich 2018 in Zürich selbst ein «echtes» Denkmal gesetzt. (Ganz ohne Erlaubnis der Stadt ging das aber nicht.)

In der Politik

Wie beteiligen sich Behörden und Politik in der Schweiz an der Denkmal-Debatte? Was geschieht in den verschiedenen Kantonen? 

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Zürich: Arbeitsgruppe zu rassistischen Denkmälern

Im September 2020 publizierte die Universität Zürich den Bericht «Die Beteiligung der Stadt Zürich sowie der Zürcherinnen und Zürcher an Sklaverei und Sklavenhandel vom 17. bis ins 19. Jahrhundert.», in Auftrag gegeben von der Stadt Zürich. Der Bericht stellte vielfältige, vor allem wirtschaftliche Bezüge von Zürich und der Zürcherinnen und Zürcher zur Sklaverei fest. Besonders hob er die Verbindungen der Familie Escher hervor, der auch Alfred Escher (1819-1882) angehörte. Der Politiker und Eisenbahnunternehmer wird vor dem Haupteingang des Zürcher Hauptbahnhofs prominent mit einem Standbild geehrt. Alfred Escher war zwar nicht selbst am Sklavenhandel beteiligt. Dennoch schlägt der Bericht vor, die Frage seines Denkmals und der Erinnerung im öffentlichen Raum an die Verstrickungen der Stadt Zürich in die Sklaverei neu zu diskutieren.

Als Folge des Berichts überprüft derzeit eine Arbeitsgruppe im Auftrag der Stadt Züricht 80 Denkmäler auf rassistische Bezüge. Erste Ergebnisse werden 2023 erwartet.

Baselland: Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit

Im Landrat von Baselland ist ein Postulat in Bearbeitung, das die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Baselbieter Persönlichkeiten fordert. Vorangegangen war im Sommer 2020 eine Aktion der Jungsozialisten, die den Gedenkstein des Kolonialisten Johann August Sutter (1803–1880) in Rünenberg mit einem blutverschmierten Tuch verhüllten und die Aufschrift «Keine Denkmale für Sklav*innenhalter» auf ein Plakat malten. 

Bern: Bahnhofserweiterung und Strassennamen

Denkmal weicht Bauprojekt?

Im Zuge der Erweiterung des Bahnhofs Bern soll der «Hirschengraben», ein zentraler Platz in Bahnhofsnähe, komplett umgestaltet werden. Dort steht unter anderem ein Denkmal für den Berner Feldherrn Adrian von Bubenberg. Das Bauprojekt sieht vor, das Denkmal weg vom Hirschengraben an seinen ursprünglichen Platz zu verschieben. Gegner des städteplanerischen Projekts kritisieren diese Zerstörung des historischen Ortsbildes.  

Strassennamen sollen Frauen sichtbar machen

In der Stadt Bern sind gut 150 Strassen, Wege und Plätze nach Männern und 24 nach Frauen benannt. Anlässlich des Frauenstreiks vom 14. Juni 2019 forderte ein Vorstoss, diese solange nur noch nach Frauen zu benennen, bis Gleichstand herrscht. Der Vorstoss wurde angenommen, und seit Juli 2020 liegt ein Umsetzungskonzept des Interdisziplinäres Zentrums für Geschlechterforschung IZFG der Uni Bern vor.

Neuenburg: Platz Tilo-Frey und Statue von David de Pury

Petition zur Entfernung der Statue von David de Pury

Ein «Collectif pour la mémoire» lancierte im Juni 2020 eine Online-Petition, welche die Entfernung der Statue von David de Pury forderte. Stattdessen soll eine Tafel all jenen gedenken, die unter Rassismus und weisser Vorherrschaft litten und leiden. Die Petition wurde mit rund 2500 Unterschriften bei der Stadt Neuenburg eingereicht. Im August desselben Jahres wurde eine weitere entsprechende Petition bei der Neuenburger Stadtkanzlei eingereicht, diesmal von einem FDP-Grossrat des Stadtparlaments.

Ein Platz wird umgetauft

Jahrelang trug ein zentraler Platz bei der Universität Neuenburg den Namen von Louis Agassiz, einem Glaziologen, dem vorgeworfen wird, rassistische Thesen aufgestellt zu haben. Nach einer Debatte in Politik und Öffentlichkeit beschloss die Stadt Neuenburg, den Platz neu nach Tilo Frey (1923-2008) zu benennen, der ersten Neuenburger Vertreterin im Nationalrat. Als erste farbige Person und eine der ersten elf Frauen im Bundesparlament setzte sich die schweizer-kamerunische Politikerin für die Emanzipation der Frauen und ethnischen Minderheiten in der Schweiz ein.

In den Medien

Hier findest Du journalistische Beiträge zur Denkmal-Debatte aus Zeitungen, TV-Sendungen, Radio - aus der Schweiz, aber auch aus anderen Ländern. Wenn sie verlinkt sind und sich hinter einer Paywall  befinden, ist es jeweils angegeben. Dann kannst Du nur mit einem Abo des jeweiligen Mediums darauf zugreifen.

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Juni 2020: Black Lives Matter und rassistische Denkmäler

Im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste wurden Statuen gestürzt, verhüllt und mit Farbe beschmiert. Im Sommer 2020 gingen die Bilder gingen durch die Medien – auch in der Schweiz.

11.06.2020: Wenn ein Denkmal zum Mahnmal wird (Radio SRF)

Was hat die Christoph-Kolumbus-Statue mit der Black-Lives-Matter-Bewegung zu tun? Was soll mit Statuen geschehen, die Persönlichkeiten mit kolonialem Hintergrund darstellen? Historiker Hendrik Ziegler im Gespräch mit Radio SRF.

12.06.2020: Fünf Schweizer Denkmäler im Visier der Rassismus-Debatte (nau.ch)

Nach den Denkmal-Aktionen in den USA, Grossbritannien und Belgien wird auch über Schweizer Denkmäler kritisch berichtet.

13.06.2020: Am besten würden wir erst gar keine Denkmäler aufstellen (NZZ am Sonntag, paywall)

Luzi Bernet, Chefredakteur der NZZ am Sonntag, findet die Attacken auf Denkmäler «überzogen und geschichtsblind». 

 

Sammelsurium

Alle Formen und Unformen von Beiträgen zu Denkmälern - Kurztexte, Lieder, Gedichte, Slams, Social-Media-Beiträge, Links, Buchhinweise und mehr.

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«Denkmale» (Essay von Robert Musil, 1935)

Denkmale haben außer der Eigenschaft, daß man nicht weiß, ob man Denkmale oder Denkmäler sagen soll, noch allerhand Eigenheiten. Die wichtigste davon ist ein wenig widerspruchsvoll; das Auffallendste an Denkmälern ist nämlich, daß man sie nicht bemerkt. Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler. Sie werden doch zweifellos aufgestellt, um gesehen zu werden, ja geradezu, um die Aufmerksamkeit zu erregen; aber gleichzeitig sind sie durch irgend etwas gegen Aufmerksamkeit imprägniert, und diese rinnt Wassertropfen-auf-Ölbezug-artig an ihnen ab, ohne auch nur einen Augenblick stehenzubleiben. Man kann monatelang eine Straße gehen, man wird jede Hausnummer, jede Auslagenscheibe, jeden Schutzmann am Weg kennen, und es wird einem nicht entgehen, wenn ein Zehnpfennigstück auf dem Gehsteig liegt; aber man ist bestimmt jedesmal sehr überrascht, wenn man eines Tages nach einem hübschen Stubenmädchen ins erste Stockwerk schielt und dabei eine metallene, gar nicht kleine, Tafel entdeckt, auf der in unauslöschlichen Lettern eingegraben steht, daß an dieser Stelle von achtzehnhundertsoundsoviel bis achtzehnhundertundeinigemehr der unvergeßliche Soodernichtso gelebt und geschaffen habe.
Es geht vielen Menschen selbst mit überlebensgroßen Standbildern so. Man muß ihnen täglich ausweichen oder kann ihren Sockel als Schutzinsel benutzen, man bedient sich ihrer als Kompaß oder Distanzmesser, wenn man ihrem wohlbekannten Platz zustrebt, man empfindet sie gleich einem Baum als Teil der Straßenkulisse und würde augenblicklich verwirrt stehen bleiben, wenn sie eines Morgens fehlen sollten: aber man sieht sie nie an und besitzt gewöhnlich nicht die leiseste Ahnung davon, wen sie darstellen, außer daß man vielleicht weiß, ob es ein Mann oder eine Frau ist.
Es wäre falsch, sich durch einige Ausnahmen täuschen zu lassen. Etwa durch jene paar Standbilder, die der Mensch mit dem Baedeker in der Hand suchen geht, wie den Gattamelata oder den Colleone, was eben ein ganz besonderes Verhalten ist; oder durch Gedenktürme, die eine ganze Landschaft versperren; oder durch Denkmäler, die einen Verein bilden, wie die über ganz Deutschland verbreiteten Bismarckdenkmäler.
Solche energischen Denkmäler gibt es; und dann gibt es auch noch solche, die der Ausdruck eines lebendigen Gedankens und Gefühls sind: aber der Beruf der meisten gewöhnlichen Denkmale ist es wohl, ein Gedenken erst zu erzeugen, oder die Aufmerksamkeit zu fesseln und den Gefühlen eine fromme Richtung zu geben, weil man annimmt, daß es dessen einigermaßen bedarf; und diesen ihren Hauptberuf verfehlen Denkmäler immer. Sie verscheuchen geradezu das, was sie anziehen sollten. Man kann nicht sagen, wir bemerkten sie nicht; man müßte sagen, sie entmerken uns, sie entziehen sich unseren Sinnen: es ist eine durchaus positive, zur Tätlichkeit neigende Eigenschaft von ihnen!
Nun, man kann das ohne Zweifel erklären. Alles Beständige büßt seine Eindruckskraft ein. Alles, was die Wände unseres Lebens bildet, sozusagen die Kulisse unseres Bewußtseins, verliert die Fähigkeit, in diesem Bewußtsein eine Rolle zu spielen. Ein lästiges dauerndes Geräusch hören wir nach einigen Stunden nicht mehr. Bilder, die wir an die Wand hängen, werden binnen wenigen Tagen von der Wand aufgesogen; es kommt äußerst selten vor, daß man sich vor sie hinstellt und sie betrachtet. Bücher, die man, halb gelesen, in die prächtigen Bändereihen der Bibliothek einstellt, liest man nie mehr zu Ende. Ja, es genügt bei empfindlichen Personen, daß sie ein Buch, dessen Anfang ihnen gefallen hat, kaufen, und sie werden es nie wieder in die Hand nehmen. In diesem Fall wird der Vorgang schon aggressiv; man kann seinen unerbittlichen Ablauf aber auch an höheren Gefühlen verfolgen, und dann ist er es immer, zum Beispiel im Familienleben. Dort scheidet sich mit dem Sätze: Muß ich dir denn in jeder Viertelstunde erneut sagen, daß ich dich liebe?! – unzähligemal der feste eheliche Besitz von der flatterhaften Lust. Und in welch erhöhtem Maße müssen sich diese psychologischen Nachteile, denen das Beständige ausgesetzt ist, bei Erscheinungen aus Erz und Marmor geltend machen!
Wenn man es gut mit Monumenten meint, muß man daraus unerbittlich den Schluß ziehen, daß sie einen wider unsere Natur gerichteten Anspruch an uns stellen und zu seiner Erfüllung ganz besonderer Anstalten bedürfen. Wollte man die Warnungstafel für Kraftwagen so unauffällig einfarbig ausgestalten wie Denkmale, so wäre das ein Verbrechen. Auch die Lokomotiven pfeifen doch schrille und keine versonnenen Klänge, und selbst den Briefkasten gibt man eine anlockende Farbe. Mit einem Wort, auch Denkmäler sollten sich heute, wie wir es alle tun müssen, etwas mehr anstrengen! Ruhig am Wege stehn und sich Blicke schenken lassen, könnte jeder; wir dürfen heute von einem Monument mehr verlangen. Wenn man erst diesen Gedanken erfaßt hat – der sich dank gewisser Strömungen des Geistes langsam durchzusetzen beginnt – erkennt man, wie rückständig unsere Denkmalskunst ist, verglichen mit der zeitgenössischen Entwicklung des Anzeigenwesens. Warum greift der in Erz gegossene Held nicht wenigstens zu dem anderwärts längst überholten Mittel, mit dem Finger an eine Glasscheibe zu klopfen? Weshalb drehen sich die Figuren einer Marmorgruppe nicht umeinander, wie es bessere Figuren in den Geschäftsauslagen tun, oder klappen wenigstens die Augen auf und zu? Das mindeste, was man verlangen müßte, um die Aufmerksamkeit zu erregen, wären bewährte Aufschriften wie »Goethes Faust ist der beste!« oder »Die dramatischen Ideen des bekannten Dichters X. sind die billigsten!«
Leider wollen das die Bildhauer nicht. Sie verstehen, wie es scheint, nicht unser Zeitalter des Lärms und der Bewegung. Wenn sie einen Herrn in Zivil darstellen, so sitzt er reglos auf einem Stuhl oder steht da, die Hand zwischen dem zweiten und dritten Knopf seines Rockes, auch hält er zuweilen eine Rolle in der Hand, und es zuckt keine Miene in seinem Gesicht. Er sieht gewöhnlich aus wie die schweren Melancholiker in den Nervenheilanstalten. Wenn die Menschen nicht für Denkmale seelenblind wären und bemerken könnten, was oben vorgeht, so müßten sie, wenn sie vorbeikommen, das Gruseln haben wie an den Mauern eines Irrenhauses. Noch gruseliger ist es, wenn die Bildhauer einen General oder einen Prinzen darstellen. Die Fahne flattert in der Hand, und es geht kein Wind. Das Schwert ist gezückt, und niemand fürchtet sich davor. Der Arm weist gebieterisch vorwärts, aber kein Mensch denkt daran, ihm zu folgen. Selbst das Pferd, das sich mit sprühenden Nüstern zum Sprung erhoben hat, bleibt auf den Hinterhufen stehen, starr vor Staunen darüber, daß die Menschen unten, statt zur Seite zu treten, ruhig ein Wurstbrot in den Mund stecken oder eine Zeitung kaufen. Bei Gott, Denkmalsfiguren machen keinen Schritt und machen doch immerwährend einen Faux pas. Es ist eine verzweifelte Lage.
Ich glaube, daß ich mit diesen Ausführungen einiges zum Verständnis von Denkmalsfiguren, Gedenktafeln und dergleichen habe beitragen können. Vielleicht sieht einer oder der andere von nun an jene an, die an seinem Weg stehen. Was aber trotzdem immer unverständlicher wird, je länger man nachdenkt, ist die Frage, weshalb denn, wenn die Dinge so liegen, gerade großen Männern Denkmale gesetzt werden? Es scheint eine ganz ausgesuchte Bosheit zu sein. Da man ihnen im Leben nicht mehr schaden kann, stürzt man sie gleichsam mit einem Gedenkstein um den Hals, ins Meer des Vergessens.

«Müssen wir kontroverse Denkmäler entfernen?»

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Diskutieren (4)

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  • Marianne
    vor 2 Tagen
    Denkmäler sind Zeugen ihrer Zeitgeschichte. Wenn Pestalozzi mit erhobenem Finger auf die beiden Kinder herunterschaut, so zeigt uns sein Denkmal eine Bildungsauffassung seiner Zeit und kann zum Forschen darüber anregen. Denkmäler als Erinnerungsstätten werden auf diese Weise zu visualisierten Objekten unserer eigenen Historie. Sie zu verändern oder gar zu entfernen, bedeutet für mich, einen Teil der eigenen Identität zu verändern oder zu entfernen. Das Leben ist zu komplex, um es auf einen einzigen Ereignisstrang zu reduzieren, nämlich die Interpretation unserer Zeit.
  • Rübli
    vor 2 Wochen
    Der Vortrieb der Cancel Culture in westlichen Nationen ist beispiellos und erinnert nur an Chinas Kulturrevolution. Ja - die Vergangenheit war nicht immer einwandfrei aber Denkmäler bedeuten ja auch nicht immer ausnahmslos Verehrung für eine Person. Destruktion ist immer einfach - wem sollen wir denn dann Denkmäler stiften - lieber 2 Denkmäler für positiv besetzte Personen aufstellen als eines abzureissen.
  • M. Kiefer
    vor 2 Wochen
    Es ist Geschichte. Die wird auch nicht anders, wenn man sie totschweigt.
  • Peter Graßmann
    am 10.03.2021
    Welche historische Persönlichkeit hält unseren strengen moralischen Anforderungen überhaupt noch stand? Welche Denkmäler werden in Zukunft stürzen, wenn wir deren Verbleib vom Zeitgeist abhängig machen? Wie können Denkmalschutz und Erinnerungskultur unter solchen Voraussetzungen noch funktionieren? Wo bleibt Raum für menschliche Ambivalenzen, wenn wir in ein Gut-Böse-Schema verfallen, das der Realität nie entspricht? Die Bürger wissen ein 120 Jahre altes Reiterstandbild durchaus historisch-kritisch einzuordnen und die Dargestellten nicht blind zu verehren. Also lasst die Denkmäler und Straßennamen dort bleiben, wo sie sind, und lasst uns erklären, warum sie dort sind. Es ist eine Bereicherung, in unseren Städten der komplexen und verworrenen Geschichte begegnen zu können - mit all ihren Schattenseiten!

Rangliste der 24 Denkmäler

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So bewerten die Spieler*innen die 24 Schweizer Denkmäler:

88%

Am besten bewertet:
Monumento «Le vittime del lavoro»

65%

Am schlechtesten bewertet:
Johann August Sutter

Bekannt
2.6 / 5
Schön
2.6 / 5
Wichtig
3.2 / 5
Fragwürdig
2.0 / 5
Denkmal würden das Denkmal so lassen.würden das Denkmal verändern. Fragwürdig Wichtig Bekannt Schön
Vadian 67% 33% 1.8
2.9
2.2
2.1
Willhelm Tell 73% 27% 2.2
3.6
4.8
3.4
Johann August Sutter 35% 65% 3.4
2.0
2.3
1.8
Stolpersteine 88% 13% 1.6
4.7
3.9
3.1
Jean-Jacques Rousseau 84% 16% 1.2
3.7
3.2
3.3
David de Pury 44% 56% 3.2
2.3
2.5
2.1
Der «Fixer» 78% 22% 1.8
3.8
1.8
2.1
Johann Heinrich Pestalozzi 80% 20% 1.7
3.5
3.5
3.3
Denkmal für die Opfer vom 9. November 1932 85% 15% 1.6
4.2
2.1
2.4
Mocmoc 55% 45% 2.9
1.9
1.8
1.7
Löwendenkmal Luzern 79% 21% 2.1
3.4
4.2
4.0
Freddie Mercury 77% 23% 1.4
2.5
3.7
3.0
L’Immigré 82% 18% 1.5
4.1
1.9
3.5
Helvetia auf Reisen 84% 16% 1.1
4.1
3.2
4.1
Bourbaki-Denkmal 79% 21% 1.3
3.3
1.7
3.5
«Brahmsrösi» 73% 27% 2.0
2.4
1.9
3.6
Bubenberg-Denkmal 57% 43% 1.9
2.8
3.2
2.7
Christ-König-Statue 45% 55% 2.8
2.2
1.9
2.1
Caspar Decurtins 63% 37% 1.6
2.9
1.4
2.1
Dorothee Wyss 75% 25% 2.0
3.2
2.0
3.1
Fritz 56% 44% 2.5
3.0
2.0
2.0
Monumento della battaglia dei sassi grossi 64% 36% 2.0
3.2
1.8
3.0
Monumento «Le vittime del lavoro» 88% 12% 1.5
4.4
2.7
3.1
Henri Guisan 58% 42% 2.1
3.0
2.9
2.4
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