Johann August Sutter

Johann August Sutter:
Der zwielichtige «Westernheld»

Erinnert an… den Handelsmann, Kolonialisten und Figur des Wildwest-Mythos Johann August Sutter (1803–1880).

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Eckdaten

Ort:Feuerwehrweiher, 4497 Rünenberg (BL)
Art:Personendenkmal
Einweihung:1953

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Johann August Sutter, der sich gerne mit dem militärischen Titel «General» schmückte, hatte ein bewegtes Leben: Nach einem Konkurs als Tuch- und Kurzwarenhändler liess er Frau und Kinder in Burgdorf zurück und emigrierte 1834 in die USA, wo er sich zunächst in Missouri und Portland, dann auch in Hawaii und Alaska als Handelsmann betätigte. 1839 liess er sich im Sacramento-Tal nieder, genauer in Kalifornien, das damals noch zu Mexiko gehörte. Der mexikanische Gouverneur übergab ihm rund 200 km2 Land, auf dem Sutter, als Polizeichef, Friedensrichter und Kolonialherr in Personalunion, ein Fort errichtete, die Kolonie Neu-Helvetien gründete sowie Landwirtschaft und Handel betrieb. Ein spektakulärer Goldfund im Jahr 1848 zog Scharen von Goldsuchern an, die Sutter sein Land und seine zahlreichen Besitzungen streitig machten. Bis zu seinem Tod mehr als drei Jahrzehnte später kämpfte er um Restitution für sein Land.

Gründer von Sacramento?

Die Schweiz als auch die USA erinnern «General Sutter» als Vorzeigepionier und «Westernhelden», der bei der angolamerikanischen und europäischen Erschliessung des amerikanischen Westens massgeblich beteiligt war. Sutter, so der Heldenmythos, bewirtschaftete an der Grenze der Zivilisation aus eigener Kraft erfolgreich braches Land, baute ein Imperium namens «Neu-Helvetien» auf und gründete später die kalifornische Hauptstadt Sacramento.

Bis in die jüngste Vergangenheit wurde dieses Narrativ in Biografien und historischen Romanen, Filmen, Theaterstücken und Ausstellungen weitergetragen. Von Blaise Cendrars («L’Or. La Merveilleuse Histoire du Général Johann August Suter», 1925) bis zu Polo Hofer («Alles Gold vo Kalifornie», 2000). In Sissach besteht seit 1938 die «General Sutter Distillery», die Baselbieter Kirsch brennt, in Sacramento das Museum «Sutter’s Fort». Seine Heimatgemeinde Rünenberg BL errichtete dem bekanntesten Sohn des Orts 1953 einen Gedenkstein mit dessen Konterfeit. 1987 folgte ein Denkmal in Sacramento in den USA, das mit Geldern aus dem Lotteriefonds des Kantons Baselland mitfinanziert wurde.

Einseitiges Geschichtsbild

Die Verehrung Sutters als Pionier blendet die dunklen Stellen seiner Biografie und seine mitunter brutalen Methoden, die schon zu Lebzeiten öffentlich bekannt waren, weitgehend aus. Auf die nationale Erinnerungskultur schlug die Kritik erst in jüngster Vergangenheit im Kontext der Black-Lives-Matter-Bewegung durch. Im Zentrum steht dabei sein Gebaren gegenüber der indigenen Bevölkerung Kaliforniens. Auf Neu-Helvetien arbeiteten zeitweise bis zu 1000 Indigene unter miserablen Bedingungen. Zudem war Sutter als Sklavenhändler tätig, liess etwa indianische Kinder entführen und benachbarten Rancheros zuführen. Gemäss dem Historiker Benjamin Madley trug das Zwangsarbeitssystem, von dem auch Sutter profitierte, zur Entmenschlichung von Indigenen bei und war eine Grundvoraussetzung für den späteren Genozid in Kalifornien. Die Schweizer Historikerin Rachel Huber schrieb 2019: «Solange die Leistungen und Entbehrungen der indigenen Arbeiter*innen auf Sutters Neu-Helvetien und damit ihre nicht ganz unbedeutende Teilhabe an dieser Erfolgsgeschichte ausgeblendet werden, kann kein angemessenes Geschichtsbild zu Johann August Sutter entstehen.»

«Keine Denkmale für Sklav*innenhalter»

Die Sutter-Statue in Sacramento wurde im Juni 2020 von den Behörden entfernt, nachdem sie Ziel eines Farbanschlags geworden war. Die Gemeinde Rünenberg suchte einen Mittelweg im Umgang mit dem Denkmal für ihren umstrittenen Helden und schlug im Sommer 2020 vor, es mit mit zwei Plaketten zu ergänzen, die einmal seine Errungenschaften und einmal seine Schattenseiten und Verfehlungen aufführen. Vorangegangen war eine Aktion der Baselbieter Jungsozialisten, die den Gedenkstein mit einem blutverschmierten Tuch verhüllten und die Aufschrift «Keine Denkmale für Sklav*innenhalter» auf ein Plakat malten. Die Aktion führte zu einer Auseinandersetzung im kantonalen Parlament über die koloniale Vergangenheit von Baselbieter Persönlichkeiten.

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Autor Dr. Heinz Nauer
Dr. Heinz Nauer
Wissenschaftlicher Redaktor  SAGW
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